Klangreise durch 300 Jahre Düsseldorfer Musikgeschichte

Bei Düsseldorfer Musikgeschichte denken viele zunächst an das 19. Jahrhundert mit Schumann und Mendelssohn. Theodor Kersken, Mitbegründer und 1. Vorsitzender der (Neuen) Düsseldorfer Hofmusik e.V. und Beirat für Musik bei den Freunden von Schloss und Park Benrath, zeigte in seinem Vortrag am 20. August im Roland-Weber-Saal, dass schon gut 300 Jahre vorher Düsseldorf einen Rang in der europäischen Musikkultur hatte und zeitweilig sogar eines ihrer wesentlichen Zentren war. So kam Georg Friedrich Händel dreimal nach Düsseldorf und hätte als junger Komponist und begnadeter Cembalospieler gerne eine Anstellung in der Düsseldorfer Residenz Jan Wellems erhalten.  Arcangelo Corelli, der große italienische Komponist, widmete dem gleichen in Düsseldorf residierenden Kurfürsten sein Opus 6 mit 12 concerti grossi. 

 

Ausgehend von der Düsseldofer Residenzgeschichte und der Geschichte der Benrather Schlösser, die seit alters her von den Grafen von Berg  genutzt wurden und mit der Erbfolge in den Besitz der Wittelsbacher kamen, erläuterte Theodor Kersken die Entwicklung der höfischen Musik in Düsseldorf und Schloss Benrath. Sie wurde von einer Abfolge musikliebender Fürsten getragen, die oft selbst gute Musiker waren. Dabei wies er auf die vielfältigen Verbindungen zu zentralen Figuren der europäischen Mächte hin, so etwa auf den Düsseldorfer Wilhelm V von Jülich-Kleve (1516 - 1592, genannt der Reiche), der seine Schwester Anna von Cleve mit dem englischen Heinricht VIII. als dessen vierte Frau vermählte und sich selbst in zweiter Ehe mit dem Haus Habsburg verband. Wilhelm wie Heinrich waren beide ausübende Musikliebhaber. Höhepunkt der Düsseldorfer Hofmusik war zweifellos die Ära Jan Wellems (1658 - 1716), der, verheiratet zunächst mit der Tochter von Kaiser Ferdinand III., dann mit der Florenzer Anna Luisa Maria de' Medici, eine Hofkapelle mit bis zu 60 Musikern unterhielt und auch die Gründung eines Opernhauses in Düsseldorf ermöglichte. Mit seinen Nachfolgern Karl Philipp und anschließend Carl Theodor, der als begeisterter Flöten- und auch Cellospieler vielleicht sogar lieber Musiker gewesen wäre denn Kurfürst zunächst von der Pfalz und später ungeliebt von Bayern, erlosch diese Tradition für Düsseldorf, denn der Glanz der Residenz verlagerte sich nach Mannheim und schließlich nach München.

In vielen Musikbeispielen belegteTheodor Kersken eine dreihundertjährige Düsseldorfer und Benrather Musikgeschichte  und rief in Erinnerung, dass die in Düsseldorf residierenden Fürsten nicht nur Auftraggeber musikalischer Werke sondern vielfach auch selbst ausübende Künstler oder sogar beachtliche Komponisten waren, die umfangreiche Instrumentensammlungen anschafften und entsprechend die Existenz wichtiger Instrumentenbauer in Düsseldorf ermöglichten.

Großer Applaus war Anerkennung für einen rundum gelungenen historisch wie musikalisch facettenreichen Vortrag, der mit Charme und Lebhaftigkeit vorgetragen wurde und durch die vielen Tonbeispiele anhörenswert und mittels Projektion von Bildern und Dokumenten anschaulich war.  Bei den Konzerten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik am 18., 19. und 20. September und weiteren Konzerten in Schloss Benrath wird einiges des heute Erläuterten wieder hörenswerte Realität werden - viele bislang verschollen geglaubte Kompositionen hat die Hofmusik in den fast zwanzig Jahren ihres Bestehens weltweit aus Archiven und Privatsammlungen zusammengetragen und damit die Bedeutung Düsseldorfs als wichtigen höfischen Musikstandort belegt. 

Theodor Kersken, so ist die Hoffnung, wird in einem zukünftigen Vortrag bei den Freunden von Schloss und Park Benrath einige Facetten aus diesem reichen historischen Musik- und Bilderbogen herausgreifen und sie den Benrather Schloss- und Musikliebhabern in ähnlich unterhaltsamer und informativer Weise nahebringen.

 

 

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