Der Malkastenpark - eine verborgene Idylle

Am 11. August 2016 trafen sich Freunde von Schloss und Park Benrath, um sich von Claus Lange,  Mitglied im Kuratorium der Roland-Weber-Stiftung, Gartenarchitekt und -historiker sowie ehemaliger Düsseldorfer Gartendenkmalpfleger, durch den von der Düssel um- und durchflossenen Malkastenpark führen zu lassen und die Historie, Gestaltung und botanischen Besonderheiten des Parks kennen zu lernen.

 

MalkastenparkDer Malkastenpark mit dem (ehem.) Venusteich (Foto: H. Bruhns)

 

So bekannt der Malkasten ist, so wenig sind doch viele Düsseldorfer mit dem Jacobihaus und seinem Park vertraut, auf dessen Gelände sich der Malkasten befindet. So war es aufschlussreich, von Claus Lange die Geschichte dieses kulturhistorisch so bedeutenden Anwesens zu erfahren. Friedrich Heinrich Jacobi (1743-1819), der aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammend durch seine Ehe mit "Betty" von Clermont in eine reiche Aachener Tuchhändlerdynastie heiratete,  gewann wie sein drei Jahre älterer Bruder Johann Georg als Schriftsteller und Intellektueller rasch hohes Ansehen bei bedeutenden Persönlichkeiten seiner Zeit. Wieland, Herder, Goethe, Diderot, Lavater, Klopstock, Wilhelm von Humboldt und viele andere, auch hoher Adel aus etlichen Ländern Europas, besuchten ihn auf dem Landsitz der Familie vor den Toren Düsseldorfs gleich neben Schloss Jägerhof. Friedrichs Vater hatte hier in den 1740er Jahren einen Garten im französischem Stil angelegt, der von seinem Sohn schon knapp dreißig  Jahre später nach  aus England kommenden Vorstellungen zu einem Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Die Jacobis betrieben auf ihrem Gelände auch eine Zuckerfabrik, die wohl das Anwesen während der "Campagnen" mit kräftig-süßlichen Dämpfen umgeben haben dürfte.

 

MalkastenparkInmitten der Stadt ein abgeschiedenes Parkidyll. (Foto: H. Bruhns)

 

1794 floh Jacobi vor den französischen Revolutionstruppen aus Düsseldorf. Das Pempelforter Anwesen verblieb noch bis 1861 bei der Familie und wurde dann von der Künstlervereinigung Malkasten erworben, die das Jacobi-Wohnhaus um ein großes Gesellschaftshaus ergänzte. Joseph Clemens Weyhe, der Sohn des für Düsseldorf so bedeutenden Gartenarchitekten Maximilian Weyhe, übernahm die Anpassung der Parkgestaltung.

 

Wie ganz Düsseldorf wurden der Malkasten und sein Park im 2. Weltkrieg massiv bombardiert. Unter der Leitung des Architekten Helmut Hentrich  wurde bereits 1949 das Jacobi-Haus historisch rekonstruiert und fünf Jahre später das Malkastengebäude  in modernem Stil neu errichtet. Den weitgehend zerstörten Park gestaltete der Gartenarchitekt Roland Weber in Anlehnung an die historische Substanz.

 

Heute ist der Malkastenpark eines der rund fünfzig geschützten öffentlichen und privaten Düsseldorfer Park- und Landschaftsgartenobjekte und kann gegen einen geringen Obolus von Mittwoch bis Sonntag ab 10h besucht werden.

 

Düsselnixe - MalkastenDie Düsselnixe von Gustav Rutz (vor 1908, Foto: H. Bruhns)

Claus Lange erläuterte die historischen Wandlungen der Gartengestaltung und zeigte den "Freunden" die vielen botanischen Kostbarkeiten im Park, angefangen von besonderen Magnolienformen bis hin zu asiatischen und amerikanischen Baumspezialitäten und machte auf Eigentümlichkeiten aufmerksam, zum Beispiel, was Pflanzen sich einfallen lassen, um ihren Nachwuchs möglichst effektiv und weiträumig zu verbreiten. Viele erstaunliche aber sogleich einleuchtende Informationen wurden vermittelt  - etwa, dass während der Eiszeiten in Europa die Barriere der in Ost-Westrichtung sich erstreckenden Alpen zum Aussterben vieler Pflanzen führte, während in Amerika die in Nord-Südrichtung liegenden Gebirge ein Ausweichen der Pflanzen in tropennähere wärmere Rückzugsgebiete nicht behinderten, was dort eine viel größere Artenvielfalt hat überleben lassen, als wir sie heute in Europa finden. 

 

Ein hochinteressanter, vom Wetter freundlich-nachsichtig begleiteter Nachmittag begeisterte die Freunde von Schloss und Park Benrath. Sie sagen Claus Lange herzlichen Dank!

 

Platane im MalkastenparkEine uralte Platane mit der typischen Veränderung des Stammes. (Foto: H. Bruhns)

 

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