Reise der Freunde von Schloss und Park Benrath an die Weser

Am 25. Oktober um 7:00 Uhr trafen sich rund 25 Freunde von Schloss und Park Benrath zu einer Busreise, um einige herausragende Orte an der oberen Weser, im Dreiländereck von Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen, zu besuchen. Nach einer Fahrt durch den noch dämmrigen Morgen auf dichtgepackter Autobahn wurde gegen 11h als erste Station die Porzellanmanufaktur Fürstenberg erreicht; hier wurde sachkundig in die Porzellanherstellung  und Porzellanmalerei eingeführt und eine Sonderausstellung historischen Fürstenberger Porzellans besichtigt, die in ihrer Fülle und Qualität beeindruckte.

 

Die Weser im Nebel bei FürstenbergDie Weser im Nebel bei Schloss Fürstenberg

 

Weiter ging es dann nach Höxter zum Einchecken in das Übernachtungsquartier, bevor gegen 15h das Weltkulturerbe Kloster und Schloss Corvey aufgesucht wurde - entweder per Bus oder mit einem 2 km - Spazierweg entlang der Weser.

 

Corvey - Torhaus und AußenwerkCorvey - Torhaus und Außenwerk (Foto: H. Bruhns)

Obschon die Klosterkirche von Corvey durch Gerüste und Abdeckungen für Renovierungsarbeiten an den Glasfenstern und der berühmten historischen Orgel (die zur Erneuerung gerade ausgebaut wurde) sich reichlich entstellt zeigte, war der Besuch dank der hervorragenden Führung doch sehr lohnend. Diese Anlage, die auf Karl den Großen und Ludwig den Frommen zurückgeht und von ihnen mit außerordentichen Privilegien ausgestattet wurde, war ein über Mittelalter, Renaissance und Barock hinweg wirkmächtiges Zentrum eines schier unübersehbaren Netzes aus von hier initiierten weiteren Klostergründungen und abhängigen Kloster- und Kirchengebieten. Unser Führer erläuterte, wie sehr das Kloster in die Realpolitik  und auch den Kampf um lokale wirtschaftliche Vorteile engagiert war.

CorveyCorvey - Vorgebäude (Foto: H. Bruhns)

 

So gründete Corvey  im 13. Jh. am Weserufer eine Siedlung und baute eine Brücke, um den Brückenzoll von der Stadt Höxter in die eigene Kasse umzuleiten - allerdings überfielen die Höxteraner, unterstützt durch den Paderborner Erzbischof, in einer Blitzaktion die Siedlung und brannten die Brücke nieder - der Brückenzoll blieb für weitere Jahrhunderte bei Höxter. - Interessant sind Wandmalereien aus der frühesten Zeit des Klosters, die in dem aus fränkischer Zeit stammenden "Westbau" der Kirche entdeckt wurden und eigentümlicherweise antike Motive zeigen. Insbesondere aber beeindruckt die enorme Bibliothek, die sich im Obergeschoß hinter dem "Kaisersaal" in wunderbaren Nußbaum-Glasschränken über unendliche Zimmerfluchten erstreckt - und dem Naseweis, der seine Nase an das Glas drückt, um die Buchrücken zu studieren, zeigt, wie bescheiden seine Kenntnisse der alten Schriftsteller sind.

Rasch war der Nachmittag verflogen und ein vorzügliches Abendessen wartete auf die erschöpften Rheinländer im Corveyer Schlossrestaurant, bevor die Fahrt nach Höxter zurück ging.

Am folgenden Morgen führte eine kurze Fahrt nach Karlshafen, einer Gründung des Landgrafen Carl von Hessen um 1700, um Hugenotten aus Frankreich aufzunehmen. Diese französischen Anhänger der Lehre Calvins (deren Name eine Verballhornung des schweizerischen "Eidgenossen" ist) wurden grausam verfolgt und viele Hunderte ihrer Anführer in Paris in der Bartholomäusnacht (23. auf 24. August 1572) ermordet. Seit dem Edikt von Nantes im Jahr 1598 unter Henri IV. genossen sie im katholischen Frankreich Toleranz und volle Bürgerrechte, bis Ludwig XIV., der auch in anderer Hinsicht als übelster König Frankreichs in die Geschichte eingegangen ist, 1685 das Edikt widerrief und die schlimmen Verfolgungen wieder aufnahm. Trotz Ausreiseverbot flohen Tausende vor dem Despoten ins Ausland, wo sie von den Fürsten zur Besiedlung entlegener Regionen, oft aber auch wegen ihrer (handwerklichen) Fähigkeiten aufgenommen wurden.

 

Karlshafen-Hafenbecken und StadtzentrumKarlshafen - Hafenbecken und Stadtzentrum (Foto: H. Bruhns)

Karlshafen war solch eine Gründung in einem unbewohnten Sumpfgrund an der Mündung der Diemel in die Weser - und der Landgraf beabsichtigte, von diesem nördlichsten Zipfel seines Landes aus über die Diemel mit Kanaldurchstichen zu anderen Flüssen einen Wasserweg nach Kassel und weiter bis zum Rhein zu schaffen um damit die Route entlang Weser und Fulda über hannoveranisches Gebiet, die in Hannoversch Münden durch das Stapelrecht dieser Stadt sehr kostspielig war, zu umgehen. - Eine prachtvolle Stadtanlage wurde errichtet, der Wasserweg erwies sich allerdings wegen falsch eingeschätzter Höhendifferenzen als nicht realisierbar. Auch wanderten die Hugenotten großenteils rasch weiter. So verfiel Karlshafen in einen Dornröschenschlaf, der im 19. Jh. durch Salzgewinnung und im 20. Jh. durch ein Solebad nur schwach gestört wurde. So blieb die barocke Stadtanlage weitgehend unverändert erhalten - sie wird nur durch einen grauslichen neuerzeitlichen Kirchenbau  verdorben. Diese nahezu tote Stadt, wirtschaftlich in einem Niemandsland ohne Industrie, wird heute in besonderem Maß gebeutelt durch das Einkaufen im Internet: geht man durch die Straßen, so gähnen einem leere staubige Schaufenster entgegen. Ob die historische Stadtanlage genügend Tourismus anziehen kann, um ein kümmerliches Weiterfristen zu ermöglichen?  Karlshafen mag als Menetekel für die Zukunft vieler Klein- und Mittelstädte verstanden werden, wenn der Politik nicht rasch etwas Besseres für eine erträgliche Balance zwischen Internethandel und lokaler Handelsstruktur einfällt.

 

Kloster Dahlheim 8105617Kloster Dahlheim - Nutzgarten und Vorgebäude (Foto: H. Bruhns)

 

Die letzte Station der Reise - schon wieder etwas in Richtung Westen gelegen - war das Kloster Dahlheim. Ursprünglich ein kleines Nonnenkloster, das rasch wieder aufgegeben wurde, entwickelte es sich zu einem beeindruckenden Augustinerstift mit großem Besitz und verschiedenen Blütezeiten, die sich gut an der Bausubstanz ablesen lassen. Aufwändig vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Sponsoren restauriert und zu einer Austellungs- und Eventlokalität umgebaut, wartet es nun auf große Touristenströme, die ihm zu wünschen sind: sein Erhalt, der dem lokalen Handwerk dauerhaften Wohlstand verspricht, wird auf kräftige Einnahmen angewiesen sein. Eine interessante Führung erläuterte die Anlage und ihre Geschichte mit besonderem Schwerpunkt auf der Selbstversorgung für das Leben im Kloster: die Grundnahrungsmittel Brot und Bier ließen (und lassen) sich in vielfältiger Weise kulinarisch ergänzen. 

Das Wetter besserte sich von  einem neblig-nass trüben Anfang zu matt-mildem wolkigen Herbstlicht, sogar hier und da mit verhaltener  Sonnenanmutung.

Mit vielen schönen Eindrücken zurück im Rheinland, bleibt, Frau Schiefer für die vorzügliche Gestaltung und Leitung der Reise zu danken!

 

Solitär - Kloster DahlheimKloster Dahlheim, uralter Solitär in Herbstfarben (Foto: H. Bruhns)

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