Frankenthaler Porzellan

Zeitgleich mit dem Baubeginn des Benrather Lustschlosses durch den Kurfürsten Carl Theodor wurde im Jahr 1755 eine Porzellanmanufaktur in Frankenthal (eine der Residenzen Carl Theodors nahe seinem seinerzeitigen Mannheimer Hof) von Karl Hannong gegründet, der ursprünglich in Straßburg Porzellan herstellte. Hintergrund seines Umzugs vom französischen Straßburg in die Pfalz war das Monopol der französischen königlichen Manufaktur die zunächst in Vincennes, ab 1756 in Sèvres bestand; anderen französischen Herstellern war die Bemalung ihres Porzellans untersagt. 

Bereits ein Jahr später besuchte Carl Theodor die Frankenthaler Manufaktur, die zunächst mit Straßburger Arbeitern begann, aber bereits 1757 erfahrene Kräfte aus Meißen anziehen konnte und sich rasch zu einer der bedeutendsten Porzellanmanufakturen Deutschlands entwickelte. Im Jahr 1762 kaufte der Kurfürst die Manufaktur für 40.804 Gulden und zahlte weitere 10.000 Gulden für das arkanum (heute würde man dies das "know-how der Porzellanherstellung" nennen). 1776 bestanden Niederlassungen in Aachen, Basel, Frankfurt am Main, Livorno, Mainz, München und Nancy.

Nach 37 Jahren unter kurfürstlicher Verwaltung wurde die Manufaktur 1795 verkauft - da lebte der Kurfürst schon 18 Jahre fern von Mannheim und Frankenthal in München und Frankenthal war mit der Pfalz von französischen Revolutionstruppen annektiert worden. Schließlich stellte die Manufaktur 1799 den Betrieb ein. Vor Ende ihrer kurzen Lebenszeit wurden zahlreiche wertvolle Formen aus den Frankenthaler Werkstätten nach München zur Nymphenburger Porzellanmanufaktur gebracht und dort mit ihnen noch mehr als ein Jahrhundert lang nachproduziert.

 

Die Geschichte des europäische Porzellans beginnt recht abenteuerlich 1708 mit Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden bzw. Meißen. Wie schwierig die begehrte Porzellanherstellung auch noch fünfzig Jahre nach Böttgers erstem Erfolg, das weiße Gold auch in Europa herzustellen, war, zeigt der schwierige Start der Nymphenburger Porzellanmanufaktur: 1745 von Kurfürst Maximilian III. Joseph (dem kurfürstlichen Vorgängers Carl Theodors in München) gegründet, benötigte sie ganze zehn Jahren, bis die Herstellung der ersten praktisch verwendbaren Produkte gelang: erst 1755 wurde aus Nymphenburg Porzellan an den bayerischen Hof geliefert, ein Jahr später erstmals auch mit farbiger Unterglasurbemalung.

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