Kimiko Ishizaka in Schloss Benrath: Ein musikalisches Erlebnis.

Klarheit gepaart mit Einfühlsamkeit prägten das Spiel der Pianistin Kimiko Ishizaka bei ihrem Konzert im Kuppelsaal von Schloss Benrath. Auf Einladung der Freunde von Schloss und Park Benrath gestaltete sie ein Programm mit Werken von F. Chopin, J.S. Bach und W.A. Mozart.

Kimiko IshizakaDie Pianistin Kimiko Ishizaka (Foto H. Bruhns)

Zum Auftakt spielte sie die drei Nocturnes op. 15 Frédéric Chopins. Aus der eingangs introvertierten Melodik entwickelte sie in den Mittelteilen der beiden ersten Stücke einen spannungsgeladenen, kraftvollen Dialog, bevor sie mit der Wiederaufnahme der ursprünglichen liedhaften Melodie die Erregung auffing und in einen ruhevollen Ausklang führte.

Das dritte, seltener gespielte Nocturne – Chopin gab ihm ursprünglich den Beinamen „auf dem Friedhof“ in Assoziation an eine Hamlet-Aufführung – entfaltet mit seinen drei verhaltenen, scheinbar unterschiedlichen und doch miteinander verschränkten melodischen Teilen und nur einem kurzen Aufbäumen im Mittelteil ein Tableau dunkler, träumerischer Nachdenklichkeit, das das Publikum gefangen nahm. Am Schluss sann es den Klängen noch nach – erst als die Pianistin sich erhob, löste sich der Bann.

In Abänderung des Programms folgten nicht die Goldberg-Variationen, die Kimiko Ishizaka bereits vor zwei Jahren in Benrath gespielt und mittlerweile veröffentlicht hat, sondern Bachs Italienisches Konzert. Mit Kraft, rhythmischer Verve und beachtlicher Virtuosität wurde das Werk spannungsreich präsentiert, wobei Ishizaka die Lautstärke nur maßvoll, quasi in epochengerechter Tafeldynamik, variierte.

Nach diesem erfrischend klaren musikalischen Wasserfall folgte, dagegen beinahe zart klingend, die A-dur Sonate KV 331 Mozarts, bekannt wegen des „Alla Turca“. Mit behutsamer Agogik wurde das Thema vorgestellt und in den nachfolgenden Variationen ins Spielerische oder Elegische iteriert, bis das Alla Turca entschlossen ein Ende setzte – in der Wiederholung zog die Künstlerin das Tempo leicht an – der Schlusspunkt wurde so kraftvoll und spannend hervorgehoben.

Nach der Pause folgten die Préludes op. 28 Frédéric Chopins, die ein eigenes musikalisches Reich mit schroffen Gipfeln und lieblichen Auen bilden und dabei enorme pianistische Herausforderungen bergen. Dabei sind es mitunter weniger die Gipfel als die Flächen, die zu meistern kritisch sein kann. Ishizaka gestaltete diese nicht in romantischer Mystik sondern gewissermaßen aufgeklärt, mit großer Behutsamkeit gegenüber dem melodischen Detail und hinsichtlich der Stimmverschränkungen mit klaren Linien auch in der linken Hand, die sonst leicht als „Begleitung“ in die „zweite Reihe“ rutschen kann. Besonders schön zeigte sich dies in der No. 15, dem „Regentropfen-Prélude“, und der abschließenden No. 24, die das Publikum den Atem anhalten ließ. Interessant die Interpretation der No. 16, des „presto con fuoco“, bei dem sie, ähnlich Interpreten wie Argerich oder Trifonov, zwischen Phasen eines unterlegten gehetzten Galopprhythmus' die linke Hand gewissermaßen die Felslandschaft modellieren lässt, über die der Ritt der wilden Läufe in der rechten Hand geht. Man kann aber auch den drängenden Rhythmus in der linken Hand durchhalten und so einen Ritt durch den Hades à la Berlioz unternehmen, während aus der rechten Hand die Blitze herabfahren, so wie Ingrid Fliter es gestaltet. Beides ist spannend – und spannend war auch Ishizakas Interpretation.

Großer Applaus wurde ihr zuteil – es war sicher eines der schönsten Solo-Konzerte, das die Besucher in Schloss Benrath je erlebt haben. Als Zugabe spielte Kimiko Ishizaka zunächst eines der posthumen Nocturnes Chopins – nach dem dramatischen Abschluss der Préludes op. 28 ein Innehalten und Atemholen - bevor als zweite Zugabe mit dem Präludium C-dur BWV 846 ein Stück folgte, dem besondere Bedeutung an diesem Abend zukam, der dem  im Vorjahr verstorbenen Reinhard Krekler gewidmet war. Er hat Großes für Schloss und Park Benrath geleistet und war väterlicher Freund der jungen Kimiko Ishizaka, deren herausragende Begabung er früh erkannte. Dieses erste Stück  aus Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier gestaltete die Künstlerin nun im Gedenken an ihren Freund und Förderer, so wie sie es auch in ihrer kürzlich veröffentlichten Gesamtaufnahme des Wohltemperierten Klaviers tat. Die Versunkenheit und subtile, fast schon zerbrechliche Nuanciertheit, mit der sie Facetten dieses scheinbar so einfachen Werks aufscheinen ließ, machten es zu einem unerhörten Klangkristall makelloser Schönheit und zum krönenden Abschluss dieses Abends mit einer beeindruckenden Künstlerin - eines Abends, der lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Wie stets bei den Veranstaltungen des Freundeskreises kommt der Reinerlös des Konzerts der Stiftung Schloss und Park Benrath zugute.

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