Gelungenes Frühlingskonzert am 27. 3. 2022 in Schloss Benrath

Strahlender Sonnenschein durchflutete die hohen Fenster, als die Freunde von Schloss und Park Benrath zum Frühlingskonzert in den Kuppelsaal von Schloss Benrath traten. Die mögliche Platzzahl von 99 Personen war eigentlich vollständig ausgeschöpft, allerdings hatten einige, glücklicherweise wenige, Mitglieder unseres Vereins in letzter Minute wegen Erkrankung oder Erkältungssymptomen absagen müssen. 

 

Frau Klahold, Vorsitzende unseres Vereins, begrüßte die Anwesenden, insbesondere Herrn Hans-Georg Lohe, den Kulturdezernenten und Beigeordneten der Stadt Düsseldorf, sowie den kaufmännischen Vorstand der Stiftung Schloss und Park Benrath, Herrn Nicolas Maas. Vor einem Jahr hatten Neujahrskonzert und -empfang ausfallen müssen wie auch nahezu alle anderen Veranstaltungen des Vereins, und auch der diesjährige Neujahrsempfang musste corona-bedingt auf diesen 27. März verschoben werden. Frau Klahold betonte aber, dass der Verein in dieser Zeit der scheinbaren Ruhe nicht untätig geblieben sei und im Benehmen mit der Stiftung Schloss und Park Benrath deren Aufgaben mit über 24.000 €uro unterstützt habe. Einen besonderen Schwerpunkt bildete dabei die Uhrenausstattung des Schlosses: es konnten im Jahr 2020 sowohl eine für das Schloss bedeutende kostbare Tischpendeluhr von der Hand Carl Theodors Düsseldorfer Hofuhrmachermeisters Guillaume Cornille mit der Unterstützung der "Freunde" erworben und restauriert als auch ein Katalog der mittlerweile beachtlichen Uhrensammlung von Schloss Benrath erstellt werden. Die Kosten übernahm der Verein vollständig und zwei Vereinsmitglieder waren für redaktionelle Unterstützung und Fotoarbeiten ehrenamtlich aktiv. Und heute stehe im Zentrum des Kuppelsaales eine weitere prachtvolle Uhr, deren Anschaffung der Verein finanziert habe. Frau Klahold verwies auch auf die Wiederherstellung bzw. Ergänzung der Ausstattung von Salons im Corps de Logis, die die "Freunde" angeregt hätten und deren durchaus anspruchsvolle Finanzierung der Verein sicherstellen wolle. Auch die Museumspädagogik in Zusammenarbeit mit regionalen Schulen, die schon seit langem ein besonderes Anliegen der "Freunde" sei, werde finanziell unterstützt. An Herrn Maas gerichtet, betonte sie die bewährte gute Zusammenarbeit und wünschte der Stiftung Erfolg, insbesondere bei der Realisierung der gemeinsamen Projekte.

 

Frau Klahold wandte sich dann an Herrn Lohe, der vor einer Woche seinen 65. Geburtstag beging und demnächst in den Ruhestand tritt. Seit 1988 ist er mit dem Düsseldorfer Kulturwesen verbunden, davon beeindruckende 16 Jahre in zentraler Rolle als Kulturdezernent. In dieser Zeit habe sich der Vorstand der Freunde von Schloss und Park Benrath e.V. immer wieder vertrauensvoll und konstruktiv mit ihm austauschen können und sein Ohr und Unterstützung für die vielfältigen Belange von Schloss und Park Benrath gefunden. Seine Verbundenheit habe er auch dadurch gezeigt, dass er Mitglied der Freunden von Schloss und Park Benrath geworden sein. Im Namen des Vereins, seines Vorstands und seiner Vertretung im Kuratorium der Stiftung Schloss und Park Benrath danke sie ihm herzlich. Als kleine Erinnerung überreichte sie ihm zwei Publikationen des Vereins, zum einen Fotoband über den Benrather Schlosspark, der ihn immer ermuntern solle, möglichst oft nach Benrath zu kommen und an den Unternehmungen des Vereins aktiv teilzunehmen. Die zweite Publikation zur Kunstleidenschaft der Kurfürsten Jan Wellem und Carl Theodor solle zeigen, dass der Verein auch über Schloss Benrath hinaus sein Interesse auf die Düsseldorfer Kunst- und Kulturszene richte. Auch Herr Kersken wolle sich für die Neue Düsseldorfer Hofmusik bedanken und habe sie darum gebeten, ein digitales Album mit Aufnahmen dieses Ensembles zu überreichen, das die über 300-jährige Tradition von Düsseldorf als Musikstadt fortführe.

 

Herr Lohe nahm das Wort und bedankte sich herzlich für diese freundliche Würdigung. Mit Blick auf das vorzügliche Frühlingswetter hob er die Schönheit des Parks und seine Beliebtheit als Naherholungsziel hervor und wies auf Schloss Benrath als herausragendes kulturelles Denkmal von europäischer Bedeutung hin, das international zunehmende Beachtung finde. Er freue sich, dass Stadt, Land und Bund die Finanzierung der erforderlichen grundlegenden Sanierung und Restaurierung des Schlossensembles beschlossen und deren Finanzierung sichergestellt hätten. Damit solle die Bausubstanz dauerhaft gesichert werden, was Voraussetzung sei für die eigentliche Aufgabe der Stiftung, nämlich Schloss Benrath attraktiv zu machen und für die interessierte Bevölkerung als kulturelles Zentrum im Süden der Stadt optimal zu nutzen. Die Stiftung könne dabei auf gute Erfolge verweisen und habe viel unternommen, die kulturelle Funktion des Schlosses zu stärken. Eine Facette dieser Arbeit seien die vielen interessanten Sonderausstellungen. Die gerade heute prachtvoll leuchtende Magnolie am Corps de Logis erinnere ihn dabei an die Präsentation der Blumenbilder des Düsseldorfer Malers Ansgar Skiba im letzten Sommer. Interessantes sei auch von der in den nächsten Tagen öffnende Schau "Citrusmanie" zu den begehrten „goldenen Früchten“ in den fürstlichen Gärten der Neuzeit zu erwarten. Die anschließend geplante Ausstellung zu den "kurfürstlichen Zeitmessern"  werde die wesentliche Rolle der Vereinigung Freunde Schloss und Park Benrath e.V. deutlich machen, die sie bei dem Aufbau und der wissenschaftlichen Dokumentation der Uhrensammlung des Schlosses spielt. Auch in vielerlei anderer Hinsicht ermögliche der Verein die Ergänzung der Ausstattung des Schlosses und die Finanzierung von Anliegen der Stiftung. Insgesamt müsse man dem Verein herzlich dankbar sein sowohl für diese Unterstützung der Stiftung wie auch mit Blick auf das kulturelle Leben im Schloss für sein Engagement für Vorträge und Konzerte, das durch Exkursionen und Kulturreisen ergänzt werde.

 

Herr Maas berichtete anschließend über die Planungen für das laufende Jahr, in dem auch wieder ein Lichterfest stattfinden solle. Er übermittelte die Grüße von Prof. Schweizer, dem wissenschaftlichen Vorstand der Stiftung, der wegen einer nicht verschiebbaren Dienstreise nicht anwesend sein konnte. Dann sprach er die Erarbeitung eines kohärenten optimierten Konzeptes für die bestehenden Museen des Schlosses an, das als funktionale Grundlage bei der beginnenden umfassenden Sanierung dienen soll und erläuterte entsprechende Aspekte. Auch er verband seine Ausführungen mit dem Dank an die Freunde von Schloss und Park Benrath für ihre stete Unterstützung der Stiftung.

 

Bevor die Musiker das Pult übernahmen, gab Prof. Bruhns den Anwesenden noch Hinweise zu der jüngst mit Mitteln des Vereins für das Schloss erworbenen Uhr, einer 42 cm hohen Tischpendule des Pariser Uhrmachers Antoine Galland. Bedauerlicherweise sei der von den "Freunden" hochgeschätzte Uhrmachermeister und -restaurator, Herr Christian Schnurbus, leider verhindert, der sonst das Uhrwerk mit Fadenpendel und Halbstundenschlag hätte genauer erläutern können, dessen Ausstattungsmerkmale, insbesondere die Verzierung der Zeiger, nach ihm auf eine Entstehung in den 1770er Jahren hindeuteten. Herr Bruhns wies dann auf das prächtige Gehäuse aus Bronzeguss hin, das mit einer vorzüglich erhaltenen (allerdings der bei der Herstellung hochgiftigen) Feuervergoldung versehen sei. Dessen Symbolik sei nicht, wie in der Beschreibung des Handels angegeben, einem astronomischen oder astrologischen Motivkreis zuzuordnen, wohl auch nicht mit dem goldenem Globus und den Bücher auf das in den höfischen Kreisen der Pompadour und Marie-Antoinettes geschätzte zur Schäferidylle stilisierte Goldene Zeitalter und dessen dichterische Beschreibungen verweisen. Vielmehr könnten Globus und der dunkle Putto sehr viel wahrscheinlicher auf die gerade erfolgte erste Weltumsegelung eines Franzosen, nämlich in den Jahren 1766/69 von Louis Antoine Bougainville, verweisen, von der er einen jungen Polynesier nach Paris mitbrachte. Bougainville beschrieb in seiner sehr populären Reisebeschreibung die Südseeinseln als ein Paradies, das den Berichten vom Goldenen Zeitalter ähnele. Damit traf er den Nerv der Zeit, denn wenige Jahre zuvor hatte Jean-Jaques Rousseau seine Vorstellungen über das friedfertige Zusammenleben der ersten Menschen ohne gesellschaftliche Zwänge publiziert, die in dieser vorrevolutionären Zeit heiß diskutiert wurden. Das Uhrengehäuse könne deshalb eine Allegorie auf die Erkundung neuer ursprünglicher Welten mit dem vermeintlich gefundenen goldenen Paradies in der Südsee sein. Prof. Bruhns bemerkte, dass auch James Cook von seiner zweiten Weltumsegelung 1774 einen jungen Polynesier namens Omai nach London mitbrachte, Der an dieser Expedition teilnehmende etwa gleichaltrige Georg Forster freundete sich mit ihm an und Omai wurde in London von Sir Joshua Reynolds gemalt. Damit gewinnt die Uhr überraschend einen entlegenen Bezug zu Düsseldorf, denn Joshua Reynolds besuchte und bewunderte wie Georg Forster die von Jan Wellem geschaffene Düsseldorfer Kunstgalerie und Georg Forster widmete ihr in seinen "Ansichten vom Niederrhein" sogar etliche Seiten. An Omai erinnert gegenwärtig die Londoner hochemotionale Diskussion angesichts des Verlustes des von Reynolds geschaffenen Portraits Omais durch Versteigerung ins Ausland zu einem atemberaubenden Preis.

 

Das Konzert wurde von dem Streichquartett "Les Sirènes" bestritten, das die Freunde von Schloss und Park Benrath schon beim Neujahrskonzert vor fünf Jahren zu schätzen gelernt hatten. Für die erkrankte erste Geigerin Freya Deiting sprang der Düsseldorfer Violinist Maurice Maurer ein, dessen spontanes und schwungvolles Zusammenspiel mit Dagmara Daniel (2. Geige), Christine Hanl (Viola, Leitung) und Thorid Brandt-Weigand (Cello) vorzüglich gelang. Das Programm erinnerte an das schöne frühere Konzert; es begann klassisch mit dem Quartett B-Dur "Sonnenaufgang" des späten Joseph Haydn mit seiner im Kopfsatz von der ersten Violine wie ein strahlender Sonnenaufgang vorgetragenen Melodie, gefolgt vom federleicht gespielten und beschwingten Divertimento No. 3 F-Dur KV 138 des fünfzehnjährigen W.A. Mozart. . In der Mitte des Programms stand Joh. Seb. Bachs Konzert für zwei Violinen d-moll BWV 1043, das er wohl fünfundvierzigjährig 1730 in Leipzig für sein studentisches Orchester schrieb, welches sich jeden Freitag Abend in "Zimmermanns Kaffeehaus" zum Musizieren traf. Es ist wohl eines der bei Geigern beliebtesten Repertoirestücke. Der zweite Teil war moderner und konzentrierte sich auf tänzerische Kompositionen:: auf den bekannten 2. Walzer der 2. Jazz-Suite, das Dmitri Schostakowitsch 1938 für das neugegründete sowjetische Jazz-Orchester - man wollte die Jazzbegeisterung der sowjetischen Jugend - da man sie nicht unterdrücken konnte - in vaterländishce Kanäle lenken. Und Schostakowitsch lieferte Konzert-"Jazz" mit Ohrwurmcharakter. Den hat auch der Libertango Astor Piazollas aus dem Jahr 1974, das seinen Aufbruch zum "Nuevo Tango" markiert. Ein Arrangement aus der West Side Story von Leonard Bernstein, in den Fünfziger Jahren gegen Rassismus geschrieben, führte die Hörer in die Turbulenzen der 1968er zurück, als es das erste Mal im deutschsprachigen Raum aufgeführt wurde und sensationellen Erfolg hatte. Den Abschluss gaben nach und mit viel Applaus zwei Zugaben: "Por una Cabeza", 1935 von Carlos Gardel komponiert, dem wohl berühmtesten Tangosänger aller Zeiten,  und "Come back to Sorrento / Torna a Surriento von Ernesto de Curtis, das 1894 komponiert seinen Weg durch die Schlagerwelt des 20. Jahrhunderts nahm und in Deutschlands Italienbegeisterung der 50er und 60er Jahre Vielen wohl durch die schwarze Single des lässigen Dean Martins bekannt wurde. Dieses Konzert war wohl nicht nur für die Freunde von Schloss und Park Benrath sondern auch für die Musiker ein Vergnügen. Ihnen sei ein herzliches Dankeschön gesagt!

 

In bester Laune klang das Konzert beim traditionellen Empfang mit gutem Gespräch und einem von liebenswürdigen Helfern vorbereiteten Glas Sekt oder Wasser im Souterrain und bei mittäglicher Sonne auf dem Vorplatz des Schlosses aus. Nach fast zwei Jahren der Corona-Enthaltsamkeit war dieses Frühlingskonzert für die Freunde von Schloss und Park Benrath ein gelungener Start in eine wieder normalere Zeit. Viele begrüßten die Verlegung des Neujahrskonzerts vom Anfang des Januars in den Frühling mit seinem Licht und seiner Wärme. Auf der Mitgliederversammlung am kommenden Donnerstag, dem 31. März wird vom Dank an alle die Rede sein, die sich bei Vorbereitung und Durchführung dieses schönen Ereignisses hilfsbereit engagiert haben, vor allem an Frau Klahold.

 

 

 

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