„Dresden – Barocke Schönheit an der Elbe.“ Reise der „Freunde Schloss und Park Benrath“ vom 5.-9. Juni 2021

Geschrieben von Heiner Meulemann

 

Viele von uns kennen zwar die Loire-Schlösser von A bis Z, von Amboise bis Chambord, aber nicht das Barockschloss Rammenau oder den Barockgarten Großsedlitz. Auf jeden Fall gilt das für mich. Ich war gespannt auf die „Barocke Schönheit an der Elbe“ und bin begeistert mitgefahren und heimgekommen.

Das Schloss Friedenstein in Gotha ist riesig, aber in seinem Westturm verbirgt sich ein kleines Juwel: Das Ekhof-Theater, das einen Blick hinter die 1774 errichtete hölzerne Bühne freigibt. Nicht nur Kulissen lassen sich verschieben, sondern auch Donner durch herabfallende Kugeln und Regenrauschen durch Reiben von Papier an Fässern erzeugen.

Das Barockschloss Rammenau ist von einem Privatmann – Ernst Ferdinand von Knoch – aus einem Rittergut umgebaut worden. Aber ein Privatmann kann nicht wie ein Feudalherr Steuern einziehen, so dass Schulden ihn zwangen, an eine reichere Familie zu verkaufen. Daher kein Protz, aber ein flügel- und schnörkelloser Beau mit einem immer noch fürstlichen Park – und zierlichen klassizistischen Räumen, die im Untergeschoss ein Café mit Parkblick beherbergen. Leider war der zweistöckige Ballsaal zur Renovierung eingerüstet.

Der Barockgarten Großsedlitz umrankt ein in Stil und Farbe ganz ähnliches, aber viel größeres Schloss. Geplant von August dem Starken, keinem Privatmann. Er ist trotzdem nur zur Hälfte fertig geworden, aber immer noch imposant. Anders als die meisten Gärten seiner Zeit liegt er auf mehreren Ebenen und bietet von der Höhe durch Schneisen einen Blick übers Land. Die Treppen, Wegkreuzungen und Wasserspiele sind mit Statuen höfischer Figuren verziert und ein kaum bekleideter Herkules stützt sich ganz unhöfisch schräg auf einen Baumstumpf und hält hinter dem Rücken drei Äpfel in einer Hand.

Auf dem Weg durch das Barock war das Mittelalter eine gleichwertige Zugabe. Bautzen ist, obwohl mehrfach abgebrannt, noch immer eine „Stadt der Türme“, und der Wiederaufbau nach Bränden hat der Reichenstraße prächtige Haus-Fassaden beschert. Das Rathaus, eine gotische Stadtkirche mit drei gleich hohen Schiffen und Bürgerhäuser mit drei und mehr Gauben-Etagen im Dachstuhl sind geblieben. Die DDR hat sich gegenüber dem Reichenturm mit einem schauerlichen Baukomplex, heute „Best Western“ Hotel, verewigt.

Pirna hat ebenfalls ein historisches Rathaus auf dem Markplatz und eine gotische Stadtkirche zu bieten. Die Altstadt ist fast durchweg rechteckig angelegt, mit anheimelnden Abweichungen von Schachbrettmuster. Über der Stadt liegt das Schloss Sonnenstein, dessen unrühmliche Rolle in der „Euthanasie“ der Nationalsozialisten die Stadt mit einer Gedenkstätte nicht verschweigt.

Wie seine Umgebung hat das Zentrum Dresden nach der Bombardierung (wieder erbauten) Barock zu bieten – und einen ebenfalls getreu wieder aufgebauten Neubarock in der letzten Form der Semperoper von 1878. Sie darf man nicht nur von außen, sondern auch im Innern mit einer Aufführung genießen – wozu Verdis „Don Carlos“ für vier Stunden Gelegenheit bot. Wie die Innengänge die drei Dimensionen durcheinanderwirbeln, ließ sich beim Rundgang in der Pause nachvollziehen. Und das schöne Sommerwetter erlaubte es, den Blick von den beiden Außenterrassen auf Elbufer und Zwinger bei Tageshelle zu genießen.

Noch weiter ins Heute führt die Dresdner Neustadt. Sie beherbergt die im 19. Jahrhundert aufkommende Neuheit der Fachgeschäfte. Paradebeispiel ist die 1880 eröffnete Molkerei der Gebrüder Pfund, „der schönste Milchladen der Welt“. Auf seinen mit Kühen bemalten Kacheln sollten die Großstadtkinder sehen, woher die Milch kommt. Heute beherbergen die dreifach gestaffelten Hinterhöfe eine „Szene“ von Mode-, Kunst- und Kunstgewerbeläden, bemalten Brandmauern und ethnischer Gastronomie – ähnlich wie in Berlin die Hackeschen Höfe.

Dresden ist nicht allein seiner Umgebung mit Barockschlössern und -gärten eine Reise wert, sondern auch seiner heutigen Vitalität eine Reise wert. Aber von beidem lässt sich in drei Tagen nur ein Zipfel erfassen. Zumindest den Vorsatz eines Wiedersehens habe ich gefasst. Hervorheben möchte ich auch, wie sehr es mich gefreut hat, diese Eindrücke mit den anderen in unserer harmonischen und interessierten Reisegruppe zu teilen.

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