Geschrieben von Hardo Bruhns, 09. April 2026 (überarbeiteter Text vom 27. 02. 2021)
Beitragsbild: Hardo Bruhns
Dieser Artikel wurde 2021 verfasst, als unser Verein keine Veranstaltungen durchführen konnte. Damals versuchte ich, meine durch die Coronamaßnahmen bedingte Langeweile dazu zu nutzen, jene der Freunde von Schloss und Park Benrath für einen kurzen Moment zu vertreiben. Die Corona Zeit ist vergessen, aber vielleicht mag der damals geschriebene Text auch zum 255. Jahrestag des Neuen Benrather Schlosses den einen oder anderen noch interessieren.

Den 300. Geburtstag unserer Benrather Schlossherrin Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach am 17. Januar 2021 konnten wir in diesem Winter der Pandemie nicht so recht begehen. Aber das Jahr hält für uns Schlossfreunde sogleich noch einen weiteren Gedenktag in petto! Ein 250. Jahrestag lässt sich ausmachen, denn am 1. März 1771, einem Freitag, betrat die Kurfürstin Elisabeth Auguste, von Mannheim kommend, das erste Mal das „Neue Schloss zu Benrath“, das im Auftrag ihres Gemahls Karl Theodor, aber wohl hauptsächlich auf ihren Wunsch hin, seit 1756 unter der Leitung von Nicolas de Pigage erbaut worden war. Die Jülich- und Bergischen Wöchentliche Nachrichten1 berichten aus Düsseldorf: „Den 1tn Mertz, Ihro Churfürstliche Durchlaucht Unsere Gnädigste Landes Frau Elisabetha Augusta samt Dero Suite zur herzinnigsten Freude sämtlicher treuer Unterthanen einkommen.“ 2
Am Abend dieses ersten Märztages soll zur Einweihung des neuen Schlosses ein prachtvolles Diner von der Kurfürstin veranstaltet worden sein – vielleicht im Vestibül oder im Kuppelsaal? Wer an diesem Festessen teilnahm, wäre noch zu ergründen: es dürften neben Nicolas de Pigage und den Spitzen der „Suite“, des mitreisenden Hofstaats aus der Mannheimer Residenz, die Häupter der Verwaltung des Herzogtums Jülich-Berg und Repräsentanten des bedeutenden Adels der Region gewesen sein. Darunter mögen sich auch Personen aus zwei mit Pigage und der Baugeschichte von Schloss Benrath verbundene Familien befunden haben, zum einen Karl Franz von Nesselrode, jülich-bergischer Kanzler und ab 1776 kurpfälzischer Statthalter von Jülich-Berg, der 1775 für sein neues Palais, heute das Hetjensmuseum, von Pigage geschaffene Elemente – wie das Gaubendach – aus dem architektonischen Konzept Schloss Benraths übernahm, und zum anderen Franz Karl, von 1772 bis 1784 Fürstbischof von Lüttich, aus der Familie derer von Velbrück auf Schloss Garath, dessen Park ebenfalls von Nicolas de Pigage gestaltet wurde.

(1743 – 1819)
Joh. Friedrich Eich, 1780 (Wikipedia)
Möglicherweise waren auch Johann Konrad Jacobi und sein zweitältester Sohn Friedrich (Fritz) Heinrich Jacobi zugegen. Dieser gerade 28-Jährige war der „shooting star“ des kulturellen Lebens in Düsseldorf und weit darüber hinaus, hatte er doch in kürzester Zeit enge Kontakte und intensiven Briefaustausch mit den geistigen Größen seiner Zeit etabliert: Voltaire, Le Sage in Genf, Kant, Claudius und Wieland, später zu Fichte, Schiller, Goethe, Schlegel, Schleiermacher etc.: Fritz Jacobi wurde einer der bedeutenden Philosophen seiner Zeit. Auch war er ein Freund der Gartenkunst; Mitte der 1770er Jahre erwarb er, begünstigt durch das Vermögen seiner Schwiegermutter aus der Essener Patrizierfamilie von Huyssen, einen großen Teil des Pempelforter Landgutes von seinem Vater und machte es mit seiner hochgebildeten Frau und zeitweise seinem älteren Bruder, dem Dichter Johann Georg, als „Jacobi-Haus“ inmitten eines englischen Landschaftsparks3 zu einem der wichtigsten Knotenpunkte im geistigen Geflecht jener Zeit zwischen Klassik, Aufklärung und beginnender Romantik. Kein Reisender von Kaliber, der nicht auf einer Fahrt durch das Rheinland den Weg nach Pempelfort zu Jacobi gesucht hätte. Aber auch im Jacobischen Geschäft, in Politik und Verwaltung hatte Fritz sich 1771 bereits einen Namen gemacht: 1772 wurde er zum Hofkammerrath der Herzogtümer Jülich und Berg bestellt und gewann bedeutenden Einfluss auf die umfassende Reform des für das Gedeihen von Handel und Wandel völlig destruktiven Rheinzollwesens mit seiner ungeheuren Zahl von Zollstationen und Stapelplätzen, eine Aufgabe, die außerordentliches diplomatisches Geschick verlangte, da alle am Rhein liegenden Länder und Reichsstädte eingebunden werden mussten.4
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- Für den Hinweis auf dieses Wochenblatt, vorhanden in Düsseldorf in der Stadt- wie der Universitätsbibliothek, bin ich Frau Dr. Inge Zacher zu Dank verpflichtet. Jülich wurde im 18. Jahrhundert mit „G“ geschrieben. „einkommen“ = angekommen; die Orthographie war in den damaligen Zeitungen so wenig verlässlich wie in den heutigen. ↩︎
- Das eigentliche Ziel dieser Reise sollen die Niederlande gewesen sein, so Björn Mismahl (Begleitband zur Ausstellung „Frauengeschichten“ in Schloss Benrath, Hg. Björn Mismahl und Stefan Schweizer, Stiftung Schloss und Park Benrath, 2019) ↩︎
- Teilweise heute noch als Garten des Malkastens erhalten – Herr Claus Lange hat uns vor einiger Zeit diesen
Garten in einer interessanten Führung nahegebracht. ↩︎ - Darüber hat Frau Dr. Fimpeler vor einiger Zeit in ihrem Vortrag über die Rheinschifffahrt in unserem
Freundeskreis berichtet – und im Düsseldorfer Schifffahrtsmuseum lässt sich das eindrucksvoll nachvollziehen.
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