Führung für die „Freunde Schloss und Park Benrath“ am 30. Juni 2026
Geschrieben von Axel Poscher und Michael Wilde, 02. Juli 2026
Beitragsbild: D. Sprockamp
Die Führung begann mit einem Aufstieg vom Talgrund des „Ingenhoven-Tals“, wie das Bauwerkensemble des Kö-Bogen II auch genannt wird. An der oberen Spitze des stark geneigten Rasendreiecks im Westen begrüßte uns dreißig Schlossfreunde Martin Belz, Senior-Experte für Gebäudebegrünung.
Nachdem wir einen sicheren Stand auf der Schräge gefunden hatten, konnten wir uns umsehen. Und wir verstanden, warum die Stadt sich für diese architektonische Lösung bei der Bebauung der Fläche zwischen Gustaf-Gründgens-Platz und Schadowstraße entschieden hatte. Die zu errichteten Büro- und Geschäftsgebäude sollten sich zwischen den zum Teil ikonischen Bauten, Dreischeibenhaus, Schauspielhaus und Libeskind-Bau (Kö-Bogen I), behaupten können.
Das ist mehr als gelungen und liegt im Wesentlichen an den 30.000 „laubhaltenden“ Hainbuchen, die mit ihrem sommerlichen Dunkelgrün in harmonischer Reihung und Terrassierung der ungewöhnlichen äußeren Geometrie der beiden Gebäude den ganz besonderen Akzent verleihen. Erstaunlich die dunkle Farbe ihrer Blätter nach der Hitzewelle der letzten Tage.
Das lässt sich nur mit ausreichender Bewässerung erreichen. Wie das sichergestellt wird, erfuhren wir, nachdem wir mit Herrn Belz im Inneren des größeren Gebäudes im Osten fünf Stockwerke nach unten gefahren waren. Dort standen wir in einem großen, überaus sauber gehaltenen und 6 Meter hohen Kellerraum, in dem sich fast die gesamte Technik des Gebäudes befindet. Denn wegen der besonderen Architektur des Gebäudes ist „alles, was nicht auf dem Dach sein muss, hier unten installiert“ (Herr Belz). Darunter die wichtige Wasseraufbereitung von 6 bis zu 15.000 Kubikmeter in trockenen Jahren. Um eine bestimmte Wasserqualität zu erreichen, wird dabei Leitungswasser mit durch Umkehrosmose gereinigtem Wasser verschnitten. Über die Bewässerung der Hainbuchen und die anschließende Verdunstung gelangt das Wasser wieder in seinen natürlichen Kreislauf.
Vom Keller fuhren wir dann im Aufzug bis in die oberste Etage und stiegen anschließend über eine kleine Treppe aufs Dach. Durch ein Gewirr von Technik ging es zunächst zur Schaltzentrale für die Bewässerung der Hecken. Die Steuerung ist in eine Vielzahl von Schaltkreisen aufgeteilt, über die jede Ecke der Gebäudebepflanzung je nach Standort und Wetterbedingungen genau dosiert bewässert werden kann. Dank dieser Steuerung gibt es bei den 30.000 Hainbuchen nur wenige Ausfälle. Nach so viel Technik war der Anblick eines grünen Meeres auf dem Dach überwältigend. Die in Reihen gepflanzten Hainbuchen bildeten auf dem leicht schrägen Dach optisch eine einzige Fläche über deren Ränder nur die Kirchturmspitzen hinausragten. Zur Hofgartenseite ließ der Blick auf das Schauspielhaus und das Dreischeibenhochhaus die Fotografen nicht ruhen. Es bot sich exklusiver Blick auf die umgebende Architektur! Die Hecken werden zweimal im Jahr von einem sechsköpfigen Gärtnerteam geschnitten. Damit die Hecken nicht zu stark in die Breite wachsen, ist auch ein Rückschnitt an den Stämmen notwendig. Erstaunlich war, dass so gut wie keine Vögel zu sehen waren. Tauben, die innerstädtisch oft eine Plage sind, meiden die Hainbuchen. Die Gebäudeeigentümer sind verpflichtet 99 Jahre lang die Grünbepflanzung zu erhalten. Herr Belz hat keine Zweifel, dass diese Verpflichtung auch erfüllt wird.
Zum Abschluss der Veranstaltung ging es dann noch zu Flammkuchen, Wein und anderem in das nahe gelegene Restaurant Wilma Wunder. Das befürchtete Gewitter war ausgebleiben und wir genossen den Sommerabend bei überaus angenehmen Temperaturen.



