Ein Zeitdokument zum Kriegsende

Geschrieben von Friederike und Christian von Zeschau, 1. April 2025

Wem hat es Düsseldorf zu verdanken, dass die Stadt 1945 vor dem Einmarsch und der Befreiung durch die amerikanische Armee nicht vollständig zerstört wurde?
Dieser Frage gingen Abiturienten/innen des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums nach und stellten ihre Forschungsergebnisse am 25. März 2025 im vollbesetzten Haus Spilles einer interessierten Zuhörerschaft vor.

Anwesend war auch eine Zeitzeugin, die damals sechsjährige Tochter von Aloys Odenthal in Begleitung von ihren Töchtern und Enkeln, die von ihren damaligen Erinnerungen an die Zeit von Vater/Großvater berichteten. Dabei sagte sie, dass dieser über die damaligen dramatischen Ereignisse nie sprach. Aloys Odenthal war einer der maßgeblichen Widerstandskämpfer aus der Gruppe „Aktion Rheinland“. 1985 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt Düsseldorf.

Die Zusammenfassung der Recherchen

Zentrales Ergebnis der detaillierten und fesselnden Ausarbeitungen war ein von den Abiturienten erstellter Dokumentationsfilm sowie Schilderungen der damaligen dramatischen Ereignisse kurz vor Kriegsende. So wurden die am Geschehen beteiligten Orte, Straßen und Häuser, zum Beispiel das Polizeipräsidium, mit historischen Bildern gezeigt. An diesen damaligen, vor 80 Jahren entscheidenden Orten wurde der Bezug vor dem heutigen Hintergrund von den Schüler erläutert. Auch die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf lieferte einem wichtigen Beitrag.

Die Entwicklung der Gruppe „Aktion Rheinland“

Schon Ende der 30er Jahre trafen sich einige mutige Männer wie Aloys Odenthal und Theodor Winkens zu politischen Gesprächen in Gerresheim. Der Architekt Odenthal war bereits wegen regimekritischer Äußerungen von der Geheimpolizei verhört worden. Ihm drohte die Einweisung in ein KZ. Winkens, ein gelernter Bäcker, war Angestellter im Polizeipräsidium, jedoch 1937 entlassen worden, da er sich nicht von seiner jüdischen Frau scheiden lassen wollte. Rechtsanwalt Karl Müller stieß mit weiteren Personen ebenfalls zu der Gruppe. Über ihn wurde 1943 der Kontakt zum Düsseldorfer Widerstand um Rechtsanwalt Karl-August Wiedenhofen hergestellt. Ihr Ziel war es, Deutschland vom Nationalsozialismus zu befreien. Im Sommer 1944 schloss sich der stellvertretende Polizeipräsident Otto Goetsch (Mitglied der NSDAP) dem Widerstand an.

Folgende Personen waren an der „Aktion Rheinland“ maßgeblich beteiligt. (Das angegebene Todesjahr 1945 bedeutet, dass diese mutigen Männer wenige Stunden vor dem Einmarsch der amerikanischen Armee von der SS hingerichtet wurden.)

  • Theodor Andresen (1907 – 1945), Bauunternehmer
  • Otto Goetsch (1900 – 1962), stellvertretender Polizeipräsident von Düsseldorf
  • Carl Bernhard Hettmer, Organisationsleiter der Gruppe Wiedenhofen
  • Franz Jürgens (1895 – 1945), Kommandant der Schutzpolizei in Düsseldorf
  • Karl Kleppe (1889 – 1945), Malermeister
  • Josef Knab (1894 – 1945), Ingenieur und Kaufmann
  • Ernst Klein (1900 – 1964), Schreinermeister
  • Josef Lauxtermann (1898 – 1972) , Bäckermeister
  • Karl Müller (1893 – 1949), Rechtsanwalt
  • Aloys Odenthal (1912 – 2003), Architekt
  • Hermann Weill (1924 – 1945), Student
  • Karl August Wiedenhofen (1888 – 1958), Rechtsanwalt
  • Theodor Winkens (1897 – 1967), Angestellter im Polizeipräsidium Düsseldorf

Für die Verfolgung und Ermordung der Widerstandsgruppe „Aktion Rheinland“ waren verantwortlich:

  • Friedrich Karl Florian (1894 – 1975), Gauleiter, Reichsverteidigungskommissar
  • August Korreng (1878 – 07.06.1945 Suizid), SS-Brigadeführer und Polizeipräsident
  • Karl Brunshagen, Vorsitzender des Standgerichts Jürgens
  • Walter Model (1891 – 1945), Generalfeldmarschall und Stadtkommandant
  • Major Peiper, Vorsitzender des Standgerichts Andresen, Kleppe, Knab und Weill

Die militärische Situation um Düsseldorf

Die Alliierten hatten die Stadt eingekesselt, sowohl im Westen (Neuss) als auch im Osten (Mettmann). Ein groß angelegter Luftangriff war für die Nacht des 17. April 1945 für die Stadt angesetzt. Wiedenhofen und Odenthal schlugen sich am 16.  April nach Mettmann zu den amerikanischen Linien mit weißer Kapitulationsfahne durch. Mit ihrem mutigen Einsatz und diplomatischem Geschick gelang es ihnen, den alliierten Luftangriff in letzter Minute zu verhindern.

Die Entwicklung in den letzten Stunden

Am 16. April trafen sich Odenthal, Wiedenhofen, Knab, Müller und Andresen im Polizeipräsidium mit Jürgens (Kommandant der Schutzpolizei). Hauptmann Gehrke, der Stellvertreter Jürgens, wurde eingeweiht. Der Düsseldorfer Polizeipräsident, SS- Brigadeführer August Korreng wurde in einer Zelle des Polizeipräsidium festgesetzt und Jürgens übernahm das Kommando der Polizei. Dieser Aktion wurde verraten und Korreng befreit. Einige der Widerständler konnte fliehen, die anderen wurden im Polizeipräsidium festgenommen. Noch in der Nacht zum 17. April wurden Jürgens, Andresen, Kleppe, Knab und Weil wegen Kriegsverrates verurteilt und hingerichtet.

Einmarsch der Alliierten

Am 17. April rückte die amerikanische Armee ohne Gegenwehr in die Stadt ein. Wiedenhofen und Odenthal saßen auf den einrückenden Panzern und wiesen den Weg zum Polizeipräsidium an den Panzersperren vorbei.

Was nach Kriegsende geschah

Die Todesurteile aus den Standgerichtsverfahren gegen die Mitglieder der „Aktion Rheinland“ wurden in den Jahren 1948 – 1952 in vier Gerichtserfahren überprüft und vom Bundesgerichtshof als rechtmäßig anerkannt! Erst 1998 wurden diese Terrorurteile aufgehoben.
Auf dem Nordfriedhof, dem Gerresheimer Waldfriedhof und dem Stoffeler Friedhof sind Gedenkstätten zu Ehren der Widerstandskämpfer der “Aktion Rheinland“ errichtet worden. Auch Straßen und Plätze in Düsseldorf wurden zum Gedenken nach ihnen benannt. Aloys Odenthal erhielt 1985 die Ehrenbürgerschaft Düsseldorfs. Er und die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Aktion Rheinland“ haben unter Einsatz ihres Lebens unendlich viel Leid und Zerstörung der Stadt Düsseldorf erspart.

Nachwort

Die von dem Abiturjahrgang des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasiums erarbeitete Film-Dokumentation über die Widerstandsgruppe „Aktion Rheinland“ war großartig, beeindruckend und informativ. Die regen Nachfragen und weitere Beiträge aus der Zuhörerschaft zeigten das große Interesse am Thema und zollten damit den Schülern Dank und Anerkennung. Die Direktorin und die verantwortliche Geschichtslehrerin des Gymnasiums waren und können stolz auf die Leistung ihrer Schüler/innen sein.

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