Woher kommen die Begriffe Corps des Logis, Endroit sécret, Belvedere, Putto?

Der folgende Text ist das Vorwort aus „Die Architektur von Schloss Benrath“ – Ein illustriertes Glossar. Idee und Text: Inge Zacher – Fotos und Gestaltung: Hardo Bruhns.
Herausgeber: Vereinigung Freunde Schloss und Park Benrath e.V.
Zu erwerben im Museumsshop von Schloss und Park Benrath

Man sieht nur, was man weiß.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Was man weiß, möchte man auch benennen, um sich darüber zu verständigen. Kein Fachbuch und kein Führer, die Schlösser beschreiben, kommen ohne Fachbegriffe aus, die oft Lehnwörter sind. Häufig handelt es sich um französische und italienische, manchmal eingedeutschte Wörter. Sie geben einen Hinweis darauf, wie sehr die europäische Schlossarchitektur des Barock von der italienischen und französischen Baukunst beeinflusst wurde.

Während des 18. Jahrhunderts sprach man an den europäischen Höfen französisch. Auch die bildende Kunst, die sich an den Höfen der französischen Könige und des Hochadels entwickelte, galt als Vorbild und wurde von den europäischen Fürsten nachgeahmt. Viele europäische Künstler wurden in Paris an der von König Ludwig XIV. von Frankreich (1638-1715) gegründeten Königlichen Akademie ausgebildet. Auch der aus Lothringen stammende Nicolas de Pigage (1723-1796, Foto) absolvierte sein Studium an der Académie Royale d’Architecture und fand als Oberbau- und Gartendirektor am Mannheimer Hof des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz (1724-1799) seine Lebensaufgabe. Er wurde 1763 als außerordentliches Mitglied in die französische Akademie aufgenommen und blieb der dort gelehrten Kunst eng verbunden. Schloss Benrath wurde als Gesamtkunstwerk von diesem genialen Künstler gestaltet, der eine klare Raumanordnung (distribution) mit einer ideenreichen Gestaltung (décoration) verband.


Foto: A.D. Therbusch: Nicolas de Pigage (Portrait, um 1764)

Seit der Renaissance prägte die italienische Sprache die Kunst. Auch wenn diese Fachwörter oft eingedeutscht wurden, blieben z.B. die Begriffe Sala terrena (Gartensaal), Belvedere (Aussichtsplatz), Stucco lustro (Stuckmarmor) oder Putto (Knäblein) bestehen. Im feudalen 18. Jahrhundert bestimmte dann das Französische die höfische Architektur und damit auch Ausbildung und Fachsprache. Nach wie vor aber schlossen die jungen Künstler dem Studium an der Pariser Akademie häufig eine Reise nach Rom an, wo sie das Pantheon und die Ausgrabungen des Forum Romanum, aber auch den Petersdom und die barocken Kirchen Roms studierten. Kurfürst Carl Theodor und Pigage unternahmen Romreisen und kamen dort mit der Kunst der Antike, der italienischen Renaissance und des römischen Barock in Berührung. Der kurpfälzische Hofbildhauer Peter Anton von Verschaffelt und der Hofmaler Lambert Wilhelm Krahe, die in Schloss Benrath nach Pigages Konzept arbeiteten, hatten in Rom studiert. Zusammen mit den italienischen Stuckateuren Albuzzio und Pozzi, die als Hofkünstler in Mannheim, Schwetzingen und Benrath wirkten, brachten sie neben dem französischen Einfluss das italienische Element in den Schlössern des Kurfürsten Carl Theodor in Mannheim, Schwetzingen und Benrath zur Wirkung.

Das in der Broschüre zusammengestellte Verzeichnis von Fachbegriffen der Architektur und Erklärungen zu den Bildthemen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist auf Schloss Benrath bezogen und soll allen Interessierten sowie den Mitgliedern der Vereinigung Freunde Schloss und Park Benrath e.V. ermöglichen, ihre Kenntnisse über die hier angewandten Bauformen, Kunststile und ikonographischen Konzepte zu vertiefen. Diesem Ziel dienen auch die zu europäischen Schlössern führenden Exkursionen, die der Verein seinen Mitgliedern anbietet, um das vertraute Schloss in die Reihe dieser europäischen Schlösser einzuordnen, durch Vergleiche seine Eigenart deutlicher zu erkennen und seinen hohen künstlerischen Rang zu würdigen.

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„Die Architektur von Schloss Benrath“ – Ein illustriertes Glossar. Idee und Text: Inge Zacher – Fotos und Gestaltung: Hardo Bruhns. Herausgeber: Vereinigung Freunde Schloss und Park Benrath e.V.
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